Die Siedlung Lindenhof ist der südlichste Punkt unseres Gebiets und liegt noch im Ortsteil Schöneberg, nicht in Mariendorf. Sie wurde 1918 bis 1921 gebaut, also genau in dem Jahr, in dem der Bau von Seitenflügeln und Quergebäuden gesetzlich verboten wurde. Deshalb gibt es hier keine Hofabfolge, keine Durchfahrt und keine fünf Geschosse, sondern Häuser mit kurzen Wegen und eine Genossenschaft als Ansprechpartner für die Übergabe.
Erbaut 1918 bis 1921 unter Martin Wagner, Ledigenheim von Bruno Taut, Freianlagen von Leberecht Migge
232 Häuser mit 1.262 Wohnungen und rund 2.500 Bewohnern
Eigentümerin ist die Genossenschaft GeWoSüd: geregelte Übergabe, fester Ansprechpartner
Bau- und Gartendenkmal, Denkmaleintrag Siedlung Lindenhof I
VorderhausDer Datumsschnitt: 1918 endet die Mietskaserne
Bis 1918 durfte in Berlin auf einem Grundstück hinter dem Vorderhaus weitergebaut werden, erst Seitenflügel, dann Quergebäude, oft in Abfolgen von drei oder vier Höfen. In diesem Jahr wurde die Errichtung von Seitenflügeln und Quergebäuden per Gesetz verboten. Alles, was danach entstand, hat diese Struktur nicht mehr, und der Lindenhof ist dafür das nächstgelegene Beispiel im Ortsteil.
Am Umzugstag bedeutet das den größten Unterschied zu jedem anderen Kiez auf dieser Seite. Es gibt keine Durchfahrt, durch die getragen werden muss, keinen zweiten Hof und keine fünfte Etage. Der Wagen steht in der Regel in Sichtweite der Haustür, und die Kalkulation läuft über die Stufenzahl statt über die Tragestrecke. Wer aus einem Vorderhaus an der Potsdamer Straße hierher zieht, merkt den Unterschied an der Rechnung.
SeitenflügelDrei Bauformen auf einem Gelände
Der Kern der Siedlung entstand 1918 bis 1921 unter Martin Wagner, damals Stadtbaurat in Schöneberg; Bruno Taut plante das Ledigenheim, Leberecht Migge die Freianlagen. Dazu kamen später Reihenhäuser der fünfziger Jahre sowie mehrgeschossige Wohnbauten und Hochhäuser der sechziger und siebziger Jahre. Heute sind es 232 Häuser mit 1.262 Wohnungen, davon 163 Mehrfamilien- und 69 Einfamilienhäuser, mit rund 2.500 Bewohnern.
Drei Bauformen heißen drei verschiedene Umzüge auf demselben Gelände. Im Reihenhaus geht es über eine schmale, oft gewendelte Innentreppe und durch eine Haustür, vor der kein Wagen steht. Im Hochhaus der siebziger Jahre gibt es einen Aufzug, und die Frage ist nur, ob die Kabine den Schrank nimmt. In den alten Siedlungshäusern sind die Wege kurz, aber die Räume klein, und große Möbel müssen zerlegt werden. Eine Kraft dafür kostet ab 28 € je Stunde.
Reihenhaus, Siedlungshaus oder Hochhaus?
Innentreppe gerade oder gewendelt, mit welchem Podest?
Aufzug vorhanden, und wie groß ist die Kabine?
Wie weit ist die Haustür vom nächsten befahrbaren Punkt entfernt?
Eigentümerin der Siedlung ist die Genossenschaft GeWoSüd. Das verändert den Ablauf gegenüber einem privaten Vermieter spürbar: Es gibt einen festen Ansprechpartner, feste Regeln für die Wohnungsübergabe und in aller Regel einen Termin, der lange vorher steht. Streit über den Zustand der Wohnung im Treppenhaus ist hier die Ausnahme, nicht die Regel.
Für uns heißt das, dass wir den Umzugstag enger an den Übergabetermin legen können. Wo Auszug und Übergabe am selben Tag liegen, planen wir den Vormittag für die Ladung und den Nachmittag für das Ausbessern und Fegen. Wenn zwischendurch etwas zwischengelagert werden muss, geht das über uns, und der Lagerort spielt für den Ablauf keine Rolle.
DachgeschossDenkmalschutz auch ohne Stuckfassade
Die Siedlung Lindenhof I mit der Arnulfstraße 1 bis 38 und 116 bis 136 ist als Bau- und Gartendenkmal eingetragen. Denkmalschutz wird meist mit Gründerzeitfassaden verbunden, gilt hier aber für eine Siedlung des sozialen Wohnungsbaus, samt ihrer Freianlagen. Die Folge ist dieselbe wie in den Ceciliengärten: Es wird nichts an Gebäuden befestigt, und Grünflächen sind keine Stellflächen.
Praktisch spielt das hier seltener eine Rolle als anderswo, weil die Häuser niedrig sind und ein Möbellift meist gar nicht gebraucht wird. Wird er doch gebraucht, etwa bei einem Hochhaus mit zu kleinem Aufzug, kostet ein halber Tag am Haus ab 179 €. Für die Ladung bis 12 Kubikmeter reicht in der Siedlung häufig der kleine Wagen mit Fahrer, und der kostet ab 44 € je Stunde.
Lindenhof: Fragen zur Siedlung
Liegt der Lindenhof noch in Schöneberg?
Ja. Die Siedlung liegt im äußersten Süden des Ortsteils Schöneberg, nicht in Mariendorf, und ist damit der südlichste Punkt unseres Gebiets. Für den Umzug selbst ist die Ortsteilgrenze zweitrangig, für die Zuständigkeit bei Anträgen und Ämtern aber nicht, deshalb prüfen wir sie vor dem Termin.
Warum gibt es hier keine Hinterhöfe?
Weil 1918 die Errichtung von Seitenflügeln und Quergebäuden gesetzlich verboten wurde, und die Siedlung ab genau diesem Jahr entstand. Was danach gebaut wurde, hat keine Hofabfolge mehr. Für den Umzug bedeutet das kurze Wege vom Wagen zur Tür und eine Kalkulation, die über die Stufenzahl läuft.
Wir wohnen in einem der Hochhäuser aus den siebziger Jahren. Was ändert das?
Dann gibt es einen Aufzug, und die entscheidende Frage ist das Innenmaß der Kabine. Passt der Kühlschrank aufrecht hinein, wird der Umzug deutlich schneller. Passt der Kleiderschrank nicht, geht er zerlegt oder über die Treppe. Wir brauchen dafür Kabinenmaß und Tragfähigkeit vom Schild in der Kabine.
Übernehmen Sie die Abstimmung mit der Genossenschaft?
Wir richten uns nach dem Übergabetermin, den Sie mit der Genossenschaft vereinbart haben, und legen den Umzug so, dass die Wohnung rechtzeitig leer und gefegt ist. Die Übergabe selbst führen Sie, weil Sie Vertragspartner sind. Wir sind montags bis freitags, 09:00 bis 18:00 Uhr erreichbar, um den Ablauf abzustimmen.