VorderhausDrei Häuser auf einem Grundstück, drei verschiedene Umzugstage
Die Berliner Mietskaserne ist kein einzelnes Haus, sondern eine Reihe. Zur Straße steht das Vorderhaus, daran schließen die Seitenflügel an, quer dahinter liegt das Quergebäude, das auch Hinterhaus heißt, und ganz hinten stand früher die Remise. Alle tragen dieselbe Hausnummer. Genau das führt bei Anfragen regelmäßig in die Irre: Zwei Wohnungen im selben Haus, gleiche Etage, gleiche Zimmerzahl, können am Umzugstag mehrere Stunden auseinanderliegen.
Dazu kommt ein Unterschied, den man erst im Treppenhaus merkt. Die Geschosse des Vorderhauses waren meist höher als die in Seitenflügel und Hinterhaus. Vorn bedeutet eine Etage also mehr Stufen, dafür sind die Aufgänge großzügiger; hinten sind die Läufe kürzer und enger. Wer uns nur die Etagenzahl nennt, hat damit erst die Hälfte gesagt.
Wie hoch es überhaupt geht, hat die Baupolizeiordnung von 1853 mit der Berliner Traufhöhe von 22 Metern festgelegt. Zusammen mit dem Kellergeschoss lassen sich darin in der Regel sechs bis sieben Geschosse unterbringen, und der Umweltatlas führt die Schöneberger Blöcke als fünf- bis sechsgeschossig. Ein Möbellift, der bis in die vierte Etage reicht, deckt diesen Bestand deshalb nicht vollständig ab. Das ist die unangenehmste Zahl dieser Seite, und sie steht bewusst weit oben.
SeitenflügelDie Tragestrecke ist der Posten, den sonst niemand ausweist
Der Preis eines Altbauumzugs steckt nicht in den gefahrenen Kilometern, sondern in den Metern zwischen Ladeklappe und Wohnungstür. Im Vorderhaus sind das oft zwanzig Meter. Beim Quergebäude hinter dem zweiten Hof werden schnell hundert daraus, und jeder Karton legt sie zweimal zurück, einmal leer und einmal voll.
Die Höfe selbst sind knapp bemessen, weil sie nur einer einzigen Vorschrift genügen mussten. Das Mindestmaß von 5,34 mal 5,34 Metern entsprach dem Wendekreis der pferdegezogenen Feuerspritze. Höfe sind in der Regel allseitig von Gebäuden umgeben und untereinander nur durch Durchfahrten verbunden, und Abfolgen von drei oder vier Höfen waren keine Seltenheit. Für den Umzugswagen heißt das: Er kommt entweder durch die Durchfahrt, oder er bleibt auf der Straße stehen.
Beim kostenlosen Aufmaß nehmen wir deshalb nicht nur die Wohnung auf, sondern den Weg dorthin.
- Die Höhe und Breite der Hofdurchfahrt. Sie entscheidet, welcher Wagen überhaupt hineinkommt und ob er im Hof wieder herumkommt.
- Die Strecke vom künftigen Halteplatz bis zum Aufgang, gemessen und nicht geschätzt.
- Schwellen, Stufen und der Belag auf dieser Strecke. Ein Rollwagen ist nur auf glattem Grund schneller als vier Hände.
- Der Aufgang selbst, und ob sich die größten Stücke in der Wendung überhaupt drehen lassen.
- Ob es einen zweiten Zugang gibt. Manche Seitenflügel haben einen eigenen Aufgang vom Hof, andere werden über das Vorderhaus erschlossen, und das sind zwei völlig verschiedene Wege.
QuergebäudeWo der Möbellift nicht hinkommt
In der Preisliste steht der Lift als Möbellift, halber Tag am Haus, ab 179 €. Der Hinweis dahinter lautet: Mit Bediener; wo kein Aufstellplatz frei ist, geht er nicht. Dieser Halbsatz ist in der Schöneberger Blockbebauung nicht die Ausnahme, sondern häufig der Regelfall.
Ein Lift braucht eine ebene, tragfähige Fläche, freien Raum zum Aufrichten und Schwenken und eine Fassade, an der er anlegen kann. Am Vorderhaus zur Straße ist das fast immer zu haben, sobald die Fläche rechtzeitig gesperrt ist. Am Seitenflügel im ersten Hof geht es manchmal. Beim Quergebäude hinter dem zweiten Hof geht es fast nie, weil dieser Hof ringsum von Gebäuden umschlossen ist.
Dann bleibt das Treppenhaus, und dann ändert sich nicht der Weg, sondern die Mannschaft. Wir rechnen in diesem Fall mit mehr Kräften statt mit mehr Stunden, weil vier Leute auf einer engen Treppe eine Wohnung deutlich schneller leeren als zwei, die dreimal so oft laufen. Der Posten dafür heißt Einzelne Kraft für Treppe und Tragestrecke und kostet ab 25 € je Stunde. Unter zwei Stunden wird nicht gerechnet.
Das ist der Punkt, an dem sich diese Seite von den berlinweiten Anbieterseiten unterscheidet: Dort steht "Altbau" und "enge Treppenhäuser". Hier steht, welches der drei Häuser gemeint ist, denn davon hängt ab, ob es den Lift überhaupt geben kann.
DachgeschossDer Jahrgang entscheidet, nicht das Wort Altbau
1918 wurde die Errichtung von Seitenflügeln und Quergebäuden per Gesetz verboten. Das ist der saubere Schnitt: Was danach gebaut wurde, hat diese Struktur nicht mehr, egal wie alt das Haus aussieht. Berlinweit stammen 514.210 Wohnungen und damit 25,3 Prozent des Bestandes aus der Zeit bis 1918, weitere 278.270 aus den Jahren 1919 bis 1948.
Im Norden des Bezirks lässt sich der Unterschied an zwei Ortsteilen ablesen, und er ist amtlich beschrieben. Für Schöneberg hält der Umweltatlas fest, dass zwischen Potsdamer Straße und Hauptstraße die enge Bebauung mit der typischen Hinterhofstruktur weitgehend erhalten geblieben ist. Für Friedenau steht dort das Gegenteil: geschlossene Bebauung der Gründerzeit mit geringem Anteil von Seiten- und Hintergebäuden, vier Geschosse, und in der Regel nur Seitenflügel oder nur Quergebäude, nicht beides. Grund ist die Bauordnung von 1892, die im damaligen Vorort eine geringere Ausnutzung der Grundstücke zuließ.
Praktisch heißt das: In Friedenau liegt die Wohnung meistens eine Etage tiefer und einen halben Hof näher an der Straße als in Schöneberg. Zwei Ortsteile nebeneinander, dieselbe Bauzeit, und trotzdem zwei verschiedene Tage. Wer beide Adressen kennt, plant anders.
Und eine Zahl, die im Netz oft falsch zitiert wird: 2022 hatten in Berlin 18,3 Prozent der Haushalte einen schwellenlosen Zugang zu ihrer Wohnung. Das ist nicht dasselbe wie ein Anteil ohne Aufzug, ein solches Merkmal erhebt der Zensus gar nicht. Es sagt trotzdem genug über den Bestand, in dem hier gearbeitet wird.
Hof und DurchfahrtVom Aufmaß bis zur Übergabe
Ein Altbautermin steht und fällt mit dem, was Wochen vorher passiert. Der Ablauf sieht deshalb so aus:
- Aufmaß vor Ort, kostenlos und unverbindlich. Wohnung, Aufgang, Hof und Durchfahrt werden angesehen, danach steht fest, welcher Wagen kommt.
- Schilder beantragen. Die Mindestgebühr des Bezirks liegt bei 21,00 Euro, und der Bezirk rechnet für den Antrag mit rund vier Wochen. Deshalb steht dieser Schritt so weit vorn.
- Entscheidung über den Möbellift. Sie fällt am Haus und nicht am Telefon, und sie fällt vor dem Termin, nicht am Morgen davor.
- Angebot mit Festpreis. Etage, Treppenhaus und Tragestrecke stehen darin als eigene Posten und nicht im Kleingedruckten.
- Am Umzugstag zuerst die Fläche prüfen, dann den Aufgang abdecken, dann die Ladeklappe an die Durchfahrt oder an die freigehaltene Fläche stellen.
- Aufbau am Ziel in der Reihenfolge, in der Sie die Räume brauchen, nicht in der Reihenfolge, in der die Kartons herunterkommen.
- Rundgang zu zweit durch beide Wohnungen, bevor der Wagen abfährt. Was fehlt, findet sich am selben Tag leichter als in der Woche darauf.